Banater Faschingsbräuche (01)

Hansl und Gredl 1993

Das Hansl und Gredlspiel ist ein Überbleibsel der mitteralterlichen Fastnachtspiele, in der Pfalz als Lätarespiel bekannt. In einer Streithandlung zwischen Winter und Sommer tritt die Figur des Hansl (Prahlhans, Hanswurst, Fajanko, Paprikajantschi) und der Gredl (dicke Nudelgret, närrisches Ding) auf. Nach hartem Kampf wird symbolisch der weichende Winter von der siegreichen Sonne überwunden.Der Faschings-Hanswurst, ein Tölpelhafter Diener, ist eine uralte Gestalt in deutschen Landen, die anscheinend mit den deutschen Siedlern nach Altungarn kam. Der Paprikajantschi ist eine ungarische Nachbildung des deutschen Kasper mit der langen Nase und dem feuerroten (Paprika!) Umhang.Nach alten Vorbildern wurde das Spiel z.B. in Bakowa als Gerichtsszene aufgeführt. Hansl und Gredl wurden an ein Rad gebunden, durch das Dorf geführt und vor ein Gericht gestellt.Die gelegentliche militärische Uniform des Hansl und die Haube der Gredl z.B. in Sanktanna sind nur Varianten zu diesem Thema.

Im Banat werden heute Hansl und Gredl als Brautpaar gedeutet und wegen ihres ärmlichen Heiratsgutes verspottet. Darum beginnen oftmals die Sprüche mit:

„Es begebn sich in den Stand der Eh`, er hat Läus und sie hat Flöh.Er fresst wie a Schweindl, sie sauft wie a Kuh,Gott gib ihr die ewiche Ruh!“ 

Erfahrene Kenner des Brauchtums stellten die Strohpuppen her, indem sie zwei Drahtgestelle verkleideten. Die Vorbereitungen des Festes verliefen meist in „gehobener Stimmung“. Es gab zwei Varianten des Spiels:

a) Auf einem einachsigen Wagen war mittels einer Übersetzung ein Rad schräg aufgesteckt, das die Puppe trug. Zapfen auf der Achse griffen in die Speichen des Rades und bewegten diese.

b) Auf einem schieflaufenden Wagenrad wurden zwei Strohpuppen angebracht, die sich frei der Fortbewegung des Rades auf- und abwärts drehten. 

Am Faschingsdienstag trieben die Maskierten allerlei Schabernack auf den Zugwagen. An jeder Straßenecke und vor Häusern von Bekannten hielt der Zug an und der Sprecher sagte sein oftmals derbes Sprüchlein auf. Diese Narrenfreiheit führte oftmals zu Volksjustiz. Heute (wenn überhaupt noch) ist das Spiel viel zahmer geworden; es wird nur noch der Wagen durch`s Dorf geführt.

„Um ufm Rad, der Bu un`s Mädl, die tanze als: Hans un`s Gredl.“

Banater Faschingsbräuche (02)

Trogscheißer 1994

In Sanktanna und im benachbarten Hellburg (Schiria) hatte der meist verregnete Fasching bis Ende der 30er Jahre eine besondere Attraktion; sie wurde am Faschingsdienstag (letzten Fasching) durchgeführt. 

Im Fako-Viertel stand ein etwa 4 – 5 m langer und ca. 70 cm dicker, ausgehöhlter Baumstamm, der sonst als Viehtränke beim Brunnen diente. Man band den trag mit einer Kette an die untere Achse (hinteren Schragen oder Schragl) eines Heuwagens und lies ihn von vier gleichfarbigen, bändergeschmückten Pferden durch den reichlich vorhandenen Morast ziehen. Speziell für diesen Tag war es nunmehr die sog. „Scheißtrugl“ (Trugl = Truhe).

Dieses Motiv zeigt eine nahe Verwandtschaft mit dem Blochziehen in Tirol. Das Tiroler spiel will die Hochzeit des wilden Mannes mit der wilden Frau darstellen. 

Zurück zu Sanktanna. Auf dem Wagen stand ein Musikant mit einer Ziehharmonika (Melodika) und manchmal einzweiter mit einer Trompete. Die „Faschingsgesellschaft“ bestimmte zwei oder drei Burschen, die in Tierfelle (ein Schaffel sollte z.B. einen Bären symbolisieren) gehüllt oder als Raben (Grabben) mit langem Pappschnabel verkleidet waren oder die in zerlumpter Kleidung im schmutzigen Waschtrog saßen.Von wahrer „Trogscheißerkunst“ sprach man, wenn sie Bocksprünge im Dreck, Bauchlandungen in den Pfützen und Schlammschlachten auf Befehl des „Trogscheißers“, dem obersten Dreckgimpel, vollführten. Sie imitierten auch mit ordinären Gesten eine intime Verrichtung.Der „Trogscheisser“ fuchtelte mit einem riesigen Holzlöffel herum, schrie seine Anordnungen hinaus und verschmutze die Burschen bis zur Unkenntlichkeit, als kämen sie aus der Unterwelt.

Die Burschen holten sich auch aus den Zuschauerreihen Mädchen, tanzten mit ihnen, tranken vom angebotenem Schnaps und mit einem „Hujuju Fasching“ sprangen sie wieder in den Trog.Halb Sanktanna war auf den Beinen, säumte die Gehwege und brüllte vor derber Freude. Den Gaffern wurden anzügliche Worte zugeschrien und unbeliebte Dorfgenossen verhöhnt.

... und man wartete schon aufs nächste Jahr, um diesen Höllenspektakel mit großer Wonne wieder miterleben zu können.Heute ist man solchen Derbheiten eher abgeneigt. 

Ein jeder möchte sich zwar amüsieren – nur keiner will den Narren abgeben! 

Banater Faschingsbräuche (03)

Altweiber-Mühle 1995

In Hatzfeld, der größten deutschen Gemeinde des Banats, erreichte das närrische Treiben zum Faschingsausklang, dem Letztfasching, seinen Höhepunkt.

Die Freiwillige Feuerwehr organisierte in alten Zeiten an diesem Tag einen Faschingszug und die Faschingsgesellschaft zog durch die Hauptstraßen von Hatzfeld, angeführt von der Blasmusikkapelle der Hatzfelder Feuerwehr, die unermüdlich für Musik und gute Stimmung sorgte. Ihnen folgten zahlreiche Faschingsnarren. Der Alltag der Menschen, ihre vielen kleinen Fehler und Wunschträume wurden auf bunten Faschingswagen dargestellt; z.B. dem „Hänsl und Gretel-Spiel“, „Tischlein deck dich“, dem „Hochzeitswagen“ (mit verkleideten Männern) oder der „Altweiber-Mühle“. 

Das Thema der Altweiber-Mühle greift auf den Gedanken und Wunsch des Volkes zurück immer wieder nach Erneuerung, Fortschritt und Entwicklung zu streben. Deshalb wurde diese Mühle auch als Erneuerungsmühle bezeichnet. Aber auch die Eitelkeit der Damenwelt und das Bestreben nach ewiger Jugend und Schönheit wurden auf einfache, aber äußerst wirkungsvolle und hintergründige Weise durch diese Altweibermühle aufs Korn genommen.

Diese Verjüngungsmühle entstand um 1635 in Deutschland, dessen Vorstufe wiederum der Verjüngungsofen und der Jungbrunnen für alte Männer und Frauen war. Im Montafon (Vorarlberg) sollte diese Mühle auch auf die Ehelosigkeit älterer Knechte und Mägde hinweisen. 

In Hatzfeld bestand die Mühle aus einem großen Holzkasten auf Rädern. Oben befand sich eine Öffnung (Schacht) und hinten eine zweite Öffnung mit Plattform. Die alten Weiber (verkleidete Narren) standen oben auf dem Kasten und wurden von zwei Teufeln (kräftige Männer) in den oberen Schacht geworfen, natürlich mit sehr viel Geschrei. Die Mühle krachte und mahlte und schließlich sprangen aus deren unteren Öffnung junge, tanzende Mädchen heraus. 

Manche ältere Generation hätte diese Erneuerungsmühle sicher gerne auch außerhalb der Faschingszeit angewendet.

Banater Faschingsbräuche (04)

Faschingsritt 1996

Unsere heidnischen Ahnen pflegten durch auflodernde Feuer und frommen Gaben, die kalten, düsteren Dämonen des Winters zu vertreiben und die freundlichen Geister der lichten Jahreszeit zu begrüßen. Alles was Fruchtbarkeit und das gedeihen beeinträchtigen könnte, sollte ferngehalten, ja vernichtet werden.

Im Laufe der Zeit traten jedoch Zauber und Abwehrhandlungen, die diesem Brauch zugrunde lagen, weit zurück und das gesellige Zusammensein wurde vorherrschend. 

Zum Faschingsausklang organisierten in Triebswetter die "Gesellschaften“ (neudeutsch Cliquen) einen Faschingsritt oder, wenn das Dorf verschneit war, eine Fahrt mit dem Schlitten.Dabei wurden die Pferde schön mit Quasten und Schellen (Glocken) aufgeputzt. Maskierte Narren tanzten um Reiter und Schlitten. Dabei lärmten sie, knallten mit den Peitschen, schellten laut und machten sich so bei der Dorfbevölkerung bemerkbar. Mit diesem Ritual sollte die bösen Geister vertrieben werden. 

Der Vorreiter, gleichzeitig Leitperson des Schlittens, trug die interessanteste Maske, die Teufel oder auch Hexe darstellte.

Der Umzug endete mit dem Besuch bei einem Mädchen, das die Sympathie des Vorreiters genoss.

Eine Festkapelle spielte hier zum Tanz auf. Die Narren forderten der Reihe nach das Mädchen auf, mit ihnen zu tanzen. Sie hatten dabei die Aufgabe, aus der großen Schar der Verehrer, ihren „Herzallerliebsten“ herauszufinden. War dies geschehen, wurde die gesellige Schar zu Schmaus und Trunk eingeladen. 

Fand aber ein älteres Fräulein auch zur Faschingszeit keinen Ehemann, musste sie auf den höchsten Hügel der Dorfgemarkung von Triebswettersteigen, mit einer Peitsche knallen und dabei folgenden Spruch sagen: 

Oh, du liebe Fast(en)nacht, hast mir keinen Mann gebracht! Voriges Jahr bin ich übrig geblieben und auch heuer halt schon wieder!

Banater Faschingsbräuche (05)

Schibling 1997

In Saderlach wurde das bayerisch-österreichische Wort „Fasching“ gebraucht und nicht mehr das alemannische „Fasnet“. In dieser Zeit wurde vor allem dem Tanz gehuldigt. 

Das tolle Treiben der Jugend verdichtete sich auf die drei letzten Tage vor der Fastenzeit, den sogenannten Letztfasching.Am Faschingsdienstag am Nachmittag (bis zum 1. Weltkrieg am Aschermittwoch) durchstreiften die Burschen, in Kameradschaften gruppiert, das Dorf und besuchten ihre „Maidli“, um von ihnen Eier und „Schibling“ (selbstgemachte Salami) zu erbitten. Bei jedem Mädchen gab es einige Eier, und der verwandte Junge bekam einen „Schibling“, der schon beim Wurstmachen extra vorbereitet und in die richtige Länge gebracht wurde (etwas kleiner als normal). Ganz stolz wurden diese ans Knopfloch gehängt, und der die meisten da hängen hatte, der war gleich um einen halben Meter gewachsen und strahlte mit dem Mund bis an die Ohren.Jede Kameradschaft hatte ihren verkleideten Faschingsnarr, „Hoppmarutza“ genannt, der eine Hexe darstellen sollte. Er hatte eine Gesichtsmaske aus Holz oder Pappe an, auf dem Kopf ein buntes, geflicktes Fransentuch und viele zerlumpte, zerfetzte, geflickte, alte Röcke. In der hand hielt er einen aus Reisig gebundenen Hofbesen, damit er die Nichtgutgesinnten oder jene, die er „gefressen“ hatte, eins auf den Allerwertesten draufschlagen konnte. Jeden, der ihm auf der Straße begegnete, besonders auch die Kleinkinder, mussten versprechen, ab sofort brav zu sein. Bei den Verwandten zog er seine Maske herunter, damit man ihn erkennen konnte und er seinen „Schibling“ bekam.

Die anderen „vermaschkerten“ sich so ähnlich, jedoch nicht so aufwendig, meistens ohne Gesichtsmaske, damit aber mit etwas Farbe aufpoliert. Manche hatten Besen, Schellen oder Glocken in der Hand um Lärm zu machen, damit alle Leute auf die Straße gelockt wurden. Abwechselnd je zwei in der Gruppe trugen einen mit Spreustroh ausgelegten, großen Weidekorb mit zwei Hängen, in den man sorgfältig die Eiere hineinlegte. Die Mädchen brachten Brot und saure Gurken mit, und das Gesammelte wurde am Abend im Wirtshaus bei Tanz und guter Laune bis in den Morgen, manchmal sogar mit dem Lieblingslehrer, verzehrt.Früher, als die Saderlacher noch alle Tracht trugen, bekam der Herzallerliebste ein „Furtuch“ oder „Firter“, eine Schürze, auf der sie ihren Namen einstickte. Der keine Liebste hatte, bekam eine Schürze von einem Nachbarmädchen oder einer Verwandten, damit er sich nicht zu schämen brauchte.

Banater Faschingsbräuche (06)

Hahnenschlagen 1998

Eine besondere Art der Belustigung, das sogenannte „Hahnenschlagen“ entwickelte sich in Sackelhausen (ähnlich in Giselladorf und an Pfingstmontag in Großscham), bei der sich oft urdrollige Momente abspielten. Dieses alte Agrarbrauchtum, das ehemals eine kultische Tötung des Korntiers darstellte, wurde ursprünglich in vielen Landschaften Deutschlands als Kernpunkt des Erntefestes gepflegt. Im Laufe der zeit verteilten sich die Erntebräuche als selbständige kleine Feiern über`s ganze Jahr.Am Faschingsdienstag am Vormittag wurden in Sackelhausen bereits die nötigen Vorbereitungen für diese originelle Prozedur getroffen. In der Dorfmitte (Sammelplatz) wurde ein großer irdener topf aufgestellt. 

Ein Mitglied der Gesellschaft, das Lust hatte den Hahn zu gewinnen, bezahlte 2 bis 3 Lei in die gemeinsame Kasse. Danach wurde ihm ein Knüppel in die Hand gedrückt und ihm der Topf gezeigt, unter dem ein lebender Hahn gesteckt wurde. Anschließend wurden dem Kandidaten die Augen verbunden und drei bis viermal im Kreise herumgedreht, bis er sämtliche Orientierung verlor. Um die Verwirrung vollständig zu machen, riefen ihm die Zuschauer von allen Seiten falschen Typs zu.

In der Zwischenzeit war der Hahn natürlich schon längst wieder aus seinem Verließ befreit worden.

Nun musste der Bewerber den Topf treffen! Er irrte eine Zeit hin und her, ließ dann den Prügel auf den vermeintlichen Topf niedersausen, riss sich die Binde von den Augen – und merkte schnell, dass er in der entgegengesetzten Richtung nach dem Hahn fahndete. Das ergab lautes Gelächter und viel Spaß bei den umstehenden Gruppen. 

Weitere Burschen versuchten sich, die aber mit demselben negativen Ergebnis abschlossen. Traf niemand oder fand man, dass der Spaß lange genug gewährt hatte, wurden dem letzten Teilnehmer ebenfalls die Augen verbunden, allerdings so, dass er zur Orientierung genug Lichteinfall hatte. Nach einigem Hin und Her strebte er dem Ziel zu und mit einem gewaltigen Streich schlug er den Topf in Scherben. 

Unterdessen wurde von den Frauen gewöhnliche Suppenhühner und Hähne geschlachtet und ein Paprikas (Gullasch) gekocht, der Tisch gedeckt und die Weinflaschen gefüllt. Nach dem Essen, zu dem der „Sieger“ einlud, folgte gewöhnlich zu den Tönen einer Harmonika ein Tänzchen, das die lustige Gesellschaft oft bis zum hellen Aschermittwoch beisammenhielt.

Banater Faschingsbräuche (07)

Pfannkuchen-Grammophon 1999

Gebrauchsanweisung: Man wünsche sich ein Lied, zahle dafür ein alkoholisches Getränk, lege einen Palatschinken (Pfannkuchen) auf das Grammophon (Plattenspieler), schalte mittels Kurbel die Nadel ein – und schon erklingt die schönste Wunschmelodie.

Wir befinden uns nicht im Schlaraffenland, sondern im Bersautal, in Reschitz, dem Eisenwerkstädtchen im Banater Montangebiet.

Um den Spaß genauer zu erklären, muss man folgendes wissen:Auf einem Leiter- oder Planwagen, der von ein bis zwei Pferden gezogen wurde, stellte man als Aufbau eine große Kiste und verhüllte diese mit einer Decke. Die Kiste ließ sich zur Seite mittels eines Vorhangs öffnen und wie beim Kasperltheater konnte man hineinschauen. Die Kiste war so groß dimensioniert, dass bis zu drei Musikanten, auf Schemeln sitzend, Platz hatten. Mindestens einer davon war ein Akkordeonspieler. Obenauf kam ein überdimensionales Grammophon mit einem noch größeren Trichter aus Kupfer.

Vorne als Kutscher saß auf dem Wagen eine „Tirolerin“ (Mann als Frau verkleidet), hinten stand ein „Tiroler“ (Frau als Mann verkleidet), der die Kurbel des Grammophon drehte. Die traditionelle weibliche Tirolertracht bestand aus grünem Rock mit Borten, schwarzem Mieder mit Goldschnüren und Flinseln (Pailletten), Brusttuch, weißer Bluse und grünem Tirolerhut mit Feder. Die Männer trugen kniefreie schwarze Samthosen mit Rellern (Schellen) und Flinseln über lange weiße Unterhosen, die zwischen den kurzen Hosen und den grünen Wadenstutzen hervorschauten, weißes Hemd mit Stehkragen und Krawatte, gesticktem Gürtel und breite Hosenträger, einen Hut mit grünem Rand und Gamsbart.

Die Trachten wurden von einem Jahr zum anderen verwahrt und von einer Generation auf die andere vererbt. In dieser Tirolerpersiflage scheint sich die Erinnerung an die Tracht der alpenländischen Urheimat erhalten zu haben, die von den eingewanderten Eisenknechten und Bergarbeitern in der neuen Umgebung wahrscheinlich sehr bald aufgegeben worden war. Abhängig welche Gruppe den Zug organisierte, zog man am Letztfasching für drei bis vier Stunden durch den Ort und die Strecke führte von Stavilla (oberer Stadtteil von Reschitz) über die „Bruckn“ (Brücke), entlang der von Kastanien eingefassten Hauptstraße bis zum heutigen Arbeiterheim, wo zum Abschluss getanzt und gefeiert wurde. Die Zuschauer konnten dem Kutscher einen Musikwunsch zurufen, der reichte seine langstielige Kuchenpfanne hinunter und wenn eine Flasche Schnaps oder wein darauf deponiert war, legte er wiederum einen echten Pfannkuchen auf, gab das Kommando – und die Musikanten spielten auf. Wünsche und Getränke wechselten die Seiten. Für die Musikanten war dies ein anstrengender Job und nach jedem „Trinkgeld“ spielten sie ausgelassener, was wiederum zu neuen Wunschliedern anspornte.

Banater Faschingsbräuche (08)

Der Krapfenclown 2000

Bis zum 1. Weltkrieg durfte beim „Narrenlaufen“ in der Reschitzer Gegend die Figur des „Krapfenclowns“ nicht fehlen. Sein traditionelles Erkennungszeichen war ein weites, geschlossenes Kostüm sowie ein spitzer Papierhut; dazu gehörte ein Stecken mit einem aufgespießten Faschingskrapfen. 

Die erwähnte Maske ist eine Variante der Hänselmaske, die in manchen Gegenden Deutschlands ein geschwärztes Gesicht, hohe Mütze und einen Schellengurt hatte. Alle Vorübergehenden wurden von dieser Clowngestalt angeschwärzt und symbolisch mit der Lebensrute geschlagen. 

Bei primitiven Völkern sind Clowns wohl Possenreißer und Spaßmacher, doch besitzen sie auch die Fähigkeit, Diebe aufzufinden und zu identifizieren. Im Zirkus und im Faschingsumzug nimmt sich der Clown gewisse Freiheiten heraus, die an seine ehrwürdige Vergangenheit als kontrastierende Gegenfigur zu den Gestalten der ehrwürdigen Dämonen, der Fruchtbarkeits-, Regen- oder Tiergötter erinnern. 

Der aufgespießte Krapfen des Clowns und die Schmalzgebäcke, die von den Teilnehmern des Faschingszugs gegessen wurden, hießen Faschingskräpfel oder Küchel und waren rund. 

Wahrscheinlich geht die runde Form auf Opferkuchen zurück und hat dieselbe Bedeutung wie das Wagenrad (Hänsl und Gretl), das den Lauf der Sonne beschleunige und lebensspendende Wärme bringen sollte. 

Ein Zeichen für die erstrebte Fruchtbarkeit war auch das fette Essen – besonders die Fettkrapfen. 

Von den vielen Schmalzgebäcken rührt der Name schmutziger, dicker oder Weiberdonnerstag her; in Sanktanna sagt man zu fett „schmutzig“, im schwäbisch-alemannischen und rhein-fränkischen Raum sagt man Dreck für Schmutz aber Schmutz für Fett.

 Krapfen sind auch in Süddeutschland ein beliebtes Gebäck. Ursprünglich war es ein rundballiges, gekröpftes Feingebäck mit duftendem Inhalt (Honig, Fleisch), als bereits die Römer zu Ehren des Gottes Bacchus  bei ihren ausschweifenden Festen kannten. Die Speise wurde von den Christen für die Fastnachtszeit übernommen.

Banater Faschingsbräuche (09)

Das Flachsbauen 2001

Dieser Brauch erinnert an die Zeit, in der jede Hausfrau noch selbst Weberin war, denn es gab kaum ein Haus, das keinen Webstuhl für das Tuch („Zeich“ oder „Wirchene“) hatte.

Das Fastnachtspiel war früher in allen vier Deutschböhmendörfern des Banter Bergland (Alt-Sadowa, Lindenfeld, Weidenthal und Wolfsberg) bekannt, wurde bis in die 80er Jahre aber nur noch in Alt-Sadowa gepflegt. Am Faschingsmontag wurde gegen Mitternacht der Ball für das traditionelle Spiel unterbrochen. Beteiligt waren ein Bauer, ein Ochsentreiber, eine Bäuerin, ein paar Helferinnen und als Zuschauer die versammelte Dorfgemeinschaft. Die Bäuerin musste gut singen können, denn sie hatte auch die Hauptrolle im Spiel.

Die Darsteller betraten im Takt der Musik den Saal und führten einen nachgestaltenden Pflug aus leichtem Holz mit sich, der von den Ochsen verkleideten Faschingsnarren gezogen wurde. Jedes „Zugtier“ wurde von zwei Jungen mit Ochsenmaske aus Karton, Gestell und braunen Decken gebildet. Der Ochsentreiber trug eine Peitsche, die Bäuerin hatte in ihrer Schürze das Saatgut und die Helferinnen trugen Rechen und Gießkannen.Der Spielverlauf folgte dem Ablauf der Arbeitsgänge: Das Feld wurde abgesteckt und die Bäuerin zeigte den Männern, wo sie zu pflügen hätten. Dabei entwickelte sich zwischen den Darstellern ein lustiger Dialog, der auf Vorkommnisse aus dem Dorfleben anspielte und nicht selten durch Zurufe der Gäste kommentiert wurde.

Die Bäuerin trieb den Faulen zur Arbeit an, begann mit der Aussaat und sang dazu ein Lied, das die Natur beschwörte, den Flachs (Lein) gedeihen zu lassen.

„Wenn d` Maiensummn scheint so warm und so lind,

do bau i mein Flachs in d` Erd eini g`schwind.

Hei, tulitei, wai schee is da Mai!“

Die Gehilfinnen rechneten das Saatgut in die Erde und tanzten. Je höher man beim Tanz sprang, desto höher würde der Flachs wachsen.

Aus dieser Situation ergab sich wieder die Gelegenheit, auf das Dorfleben anzuspielen. Danach kamen „Nadl“ und „Nedl“, die Großeltern, und brachten das Mittagessen, begutachteten die Arbeit und erzählten von früheren Zeiten. Es zeige sich, wie im richtigen Leben, dass diejenigen, die bei der Arbeit faul waren, die Ersten beim Essen waren. Es wurden lustige Lieder gesungen, die jäh ein Platzregen (aus Gießkannen oder Sonderwasserflaschen) unterbrach – ein Zeichen für ein fruchtbares, segenreiches Jahr.

Nach dem 2. Weltkrieg musste mehr improvisiert werden, da es kaum noch Leinsamen gab und so verwendete man Grassamen oder Hafer für das Spiel.

Banater Faschingsbräuche (10)

Das Scheibenschlagen 2002

Trotz allen technischen Fortschritts ist der Bauer von der Witterung abhängig. So versucht man in Sathmarer Schwabenland, mit Feuer und angeglühten Glücksscheiben das Pflanzenwachstum günstig zu beeinflussen. Dieser aus dem schwäbisch-alemannischen Raum mitgebrachte Brauch des Scheibenwerfers (Schindelschlagen) war nach dem Fasching am „Funkensonntag“ anzutreffen, doch gelang es den Geistlichen diesen Brauch auf Faschingssonntag vorzuverlegen.

Die Burschen schnitzten sich runde Scheiben (Sonnenräder!) mit 10 bis 20 cm Durchmesser aus trockenem, gespaltenem Buchenholz. Diese verdünnten sie nach außen, damit sie dort rascher Feuer fingen. Durch ein Loch in der Mitte kam ein Stecken, mit dem man die Scheibe ins Feuer hielt. Diese biegsamen bis 3,5 m langen Stöcken, mit dem man die Scheibe ins Feuer hielt. Diese biegsamen bis 3,5 m langen Stöcke waren meist aus Hagebuche oder Weißdorn. 

Den „Funken“, als Feuer, organisierten die „Rekruten“. Die etwa gleichaltrigen Mädchen schmückten dabei die Pferde mit Bändern, buntem Krepppapier und Glöcklein. Vier oder gar sechs Pferde bildeten das Gespann, mit dem die Burschen singend durch die Gassen fuhren. Jeder gab Leichtbrennbares und vollbepackt zog man aus dem Dorf hinaus, meist auf eine Anhöhe oder Abhang, damit die brennenden Scheiben keinen Schaden anrichten, aber auch von weit gesehen wurden.

Nun stapelte man das Brennmaterial auf und steckte eine Strohpuppe auf den Haufen. Etwa 15 Schritte von der Feuerstelle entfernt stellte man das Schlagbrett auf. Es konnte ein einfaches, dickes, auf ein Fass gestelltes Brett, ein Türblatt oder eine Bank sein.Etwa 15 Schritte von der Feuerstelle entfernt stellte man das Schlagbrett auf. Es konnte ein einfaches, dickes, auf ein Fass gestelltes Brett, ein Türblatt oder eine Bank sein. Diese schiefe, ansteigende Bahn diente dazu, die glühende Scheibe vom Stock abzuschlagen, damit sie frei durch die Luft flog. Bis die Vorbereitungen beendet waren, wurde es dunkel und Burschen und Mädchen, ja meist die ganze Dorfgemeinschaft, versammelten sich. Als die Abendglocken erklangen, betete man und das älteste Mädchen zündete den Haufen an (in manchen Dörfern waren die Kirchenglocken das Signal zur Beerdigung der Feier). Damit hatte der „Funke“ begonnen. Die Jugend hielten die auf dem „Brigla“ gesteckte Scheibe in die Flammen bis sie Feuer fingen, dann schwangen sie die glühenden Scheiben in großen Bogen über die köpfe. Das Schleudern geschah, indem der Junge sich seitlich zu der Schlagbahn stellt. Er nutzte den kreisenden Schwung und schlug mit aller Kraft auf das Brett.

Zentrifugalkraft in hohen Bogen, sausend und noch mehr aufleuchtend, weit in die Dunkelheit.

Banater Faschingsbräuche (11)

11. Vereinte Faschingsbräuche 2003

Es wächst die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, denn früher war ja alles besser, schöner und harmonischer. Wirklich?

Man reist gedanklich gerne zurück in eine Zeit, als die Menschen von der ererbten Scholle lebten, eins mit der Natur, im Rhythmus der Jahreszeiten, von der eigenen Hände Arbeit. Es war die Zeit ohne Milchquoten und Butterberge aber auch die Zeit ohne BSE und Hormone.Allerdings wussten die Menschen noch zu feiern um dem Alltag zu entfliehen. Und wenn man einer Sache wieder tut, die eigentlich nicht nötig, ist Brauchtum geboren, das gegenwärtig in vielen Vereinen weiterlebt.Der historische Ursprung aller Bräuche (Dämonenabwehr oder Fruchtbarkeitszauber) ist allerdings nur noch schwer erkennbar. 

Das geistige Erbe aus den Herkunftsgebieten in Deutschland zu steter Erneuerung und Weiteführung dieser nun rück gebrachten Kultur ermöglicht es heute auch jüngeren Vereinigungen auf traditionelle Bräuche aufzubauen und neue Formen der Gestaltung zu integrieren. 

Ereignisse wie Heimattage der HOG-Treffen werden gerne angenommen. Die jetzigen Generationen halten diese Zusammenkünfte aufrecht – werden es die kommenden noch wollen? Doch sollte man sich hüten, nach zweimaliger Durchführung eines Tennisturniers, bereits von einer Traditionsveranstaltung zu sprechen. 

Unter einem Dach (auf einem Orden oder auf dem Umschlag eines Jahresheftes) ist viel Platz.So steht das „Hänsl und Gretl“ auf dem schäbigen Wagenrad, das im Banat bei den meisten Faschingsumzügen anzutreffen war, für den Jahreslauf der Sonne.

Der Page im „Till-Kostüm“ steht für hintergründlichen Schalk, immer zu lustigen Späßen aufgelegt.

Unser Maskottchen und Vereinssymbol, der „Muggerich“ , steht für Liebe, Freiheit und Lebensfreude und ist bei allen Auftritten und Umzügen leibhaftig dabei. 

Diese vier Gestalten, unsere treuen Figuren durch den Fasching, haben wir auf unserem Orden 2003 zum närrischen 11-jährigen Jubiläum vereint und sie werden eine neue zu fertigende Fahne schmücken.

Banater Faschingsbräuche (12)

Der Groschentanz 2004

Der Groschentanz wurde von den Binnenwanderern aus Deutschsankt-peter und Perjamosch in die Tabakkolonie Kleinsanktpeter mitgebracht. Der Name Groschentanz dürfte aus früheren Jahren stammen, als an die Musikanten zum Aufspielen wohl ein Groschen entrichtet wurde. 

Am Nachmittag des Faschingsdienstags fand im Wirtshaus der Groschentanz statt. Zugelassen waren nur verheiratete Frauen und Witwen und, als einzige Männer, die Musikanten. Sie spielten mit der Harmonika und Blasmusik auf. 

Es war der Tanz der Spinnerinnen. Nur wenn man die Bedeutung des Hanfs im schwäbischen Haushalt des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert kennt, wird man ermessen, wie viel gesponnen werden musste für Tücher, Säcke, Arbeitshosen, Zeltplanen und Pferdedecken. Kein Wunder, dass die Spinnerinnen nach solchen Leistungen ihr Extravergnügen reichlich verdient hatten und, selbstbewusst, auch hier unter sich bleiben wollten. 

Betrat dennoch ein Mann den Saal und wurde er entdeckt, gab es den Schrei: „ein Mann“, die Musik hörte auf zu spielen und er wurde umringt und mit Geschrei und Fausthieben hinaus geklopft. 

Manche Männer verkleideten sich als Frauen um in den Saal eindringen zu können; aber ihnen ging es mehr um Spaß, den Tanz der Frauen zu stören.Ganz raffinierte Männer tanzten zusammen in Tracht mit langen Röcken und das Kopftuch weit ins Gesicht gezogen. Beim nächsten Tanz trennten sie sich und forderten die Frauen auf. 

Neben Walzer und Polka wurden auch Tänze getanzt, die sonst schon in Vergessenheit gerieten: der Siebenschritt und „Liesl, dreh dich“. 

Abends um 6 Uhr war der Groschentanz zu Ende, alle eilten nach Hause, denn sie wollten rechtzeitig zum allgemeinen Tanz zurück sein. 

Vom Groschentanz hieß es auch noch: Der Hanf wächst so hoch, wie die Weiber in dem Jahr beim Groschentanz springen. Beklagt sich aber eine Bäuerin über zu kümmerlichen Hanf, musste sie hören: wärst du beim Groschentanz höher gesprungen, hättest Du einen schöneren Hanf.

Banater Faschingsbräuche (13)

Straußbuben 2005

Der Umzug am Dienstagnachmittag in Guttenbrunn unterschied sich nur dadurch von den Faschingsumzügen der benachbarten Ortschaften, dass es hier Straußbuben gab. Die Hüte der großen Buben waren mit einem Strauß geschmückt, wie es auch zur Nachkirchweih der Brauch verlangte.

Es gab einen Vor- und einen Nachtänzer, die schon vorher bestimmt wurden. Beide zusammen führten mit einem Vierergespann die Musikkapelle ums ganze Dorf herum, wobei der Vortänzer das vordere und der Nachtänzer das hintere Gespann zügelte. Die sauber geputzten Pferde waren ebenfalls geschmückt (mit Papierrosen), ganz gleich ob sie geritten oder mit dem Paradegeschirr vor den Wagen gespannt waren.

Der Musik folgten die Straußbuben nach Jahrgängen geordnet, denen wiederum die Maskierten mit ihren zahlreichen Gefährten folgten. Der Umzug dauerte einige Stunden, die Abfahrt war beim großen Gasthaus.

An jeder Straßenkreuzung wurde gestoppt; da gab es ein „Vivat“. Wie konnte das auch anders sein, wenn einer da stand mit der Rakiflasche oder Glühwein. Aber nicht nur an den Ecken musste der Faschingszug anhalten, sondern allerorts wurde verkostet.

Die Strecke führte zum Jouschts-Kreuz, Schokowitz über Damm, He- Hutschgasse, Ober- und Untergasse, Benschick, bis zurück zum Großen Wirtshaus, das im oberen Teil der Hauptgasse stand.

Der Zug löste sich auf, man ging rasch wieder nach Hause sich umzuziehen, damit man rechtzeitig zum Tanzbeginn zur Stelle war. Besonders die Frauen hatten es eilig um im Saal einen guten Platz zu bekommen und ja nichts zu versäumen. Damit es rasch genug ging, übernahmen nach dem Umzug die Knechte oder die Väter die Bespannung und erledigten das Ausspannen, damit auch die jungen „Herren“ nichts verpassten.

Mit einem Marsch zogen die Paare ein, angeführt von den beiden Vortänzerpaaren, die auch den Tanz als erster begannen. Zwischen den Tänzen stand die Jugend auf der Tanzfläche. Die Mädchen mit ihren gestärkten Röcken konnten vorerst doch nicht sitzen. Wie an den voran gegangenen Tagen machten die Jahrgänge ihren „Extra“.

Um 1956 gab es aber kaum noch original Guttenbrunner Trachten. Der Stoff war nicht vorhanden oder kaum bezahlbar; erst nach 1970 wurden wieder Trachten angeschafft (allerdings für die Kirchweih).

Es war ein schönes Fest und man hätte alles darum gegeben, es den folgenden Generationen so zu vermitteln, wie man es schon von den Vätern aufgetragen bekam. 

Banater Faschingsbräuche (14)

Teufelskarren 2006

Ein von „Hansl und Gretl“ abweichendes Narrenpaar wurde beim Narrenumzug am Faschingsdienstag durch Neukaransebesch geführt. Es handelte sich um eine im Banat einzigartige Form des Umzugs mit dem Rad. Der „Teiwlskarrn“ bzw. das „Faschingsrad“ bestand aus einem von zwei Pferden gezogenen Pflugkarren. Auf einem der Pferde saß ein Reiter.An dem Karren war eine dicke Stange angebunden. Daran war ein großes Rad befestigt. In der Mitte des Rades war eine mit Bändern geschmückte Stange mit Papierblumenstrauß (Blumenbischl), eine Art Würzwisch angebracht. Es war eine Form des vereinfachten Lebensbaumes und stand für den Frühling, den man sich herbei wünschte. 

Auf dem Rad saßen zwei lebende Brauchtumsgestalten, die sich unterhalb des Blumenstraußes festhielten und so den ganzen Tag durch das Dorf gezogen wurden.

Der eine war der „Fasching“, eine lustige, bunt gekleidete Gestalt mit hoher Spitzkappe und der andere der „Teufel“ (Teiwel), eine in Schwarz und Rot gekleidete und mit einem Schürhaken ausgerüstete Gestalt als Sinnbild des Bösen.

Die Präsenz des Pflugkarrens weist gleichfalls auf die symbolische Winter-Frühling-Handlung als Teil agrarischen Brauchtums hin.Wenn die Männer auf dem Rad durch das Drehen schwindlig zu werden drohten, stand einer auf, worauf das Rad auf die andere Seite kippte und so die Drehung in anderer Richtung erfolgte.Der Teufelskarren wurde ursprünglich nur durch das „Schwobndorf“ der Siedlung gezogen. Später dazu gekommene Tschechen im „Böhmadorf“ übernahmen den Brauch.

Dienstag, Schlag Mitternacht, hatte sich der „Fasching“ zu Tode getanzt: mitten im Saal fiel er zu Boden. Man untersuchte ihn und flößte ihn Schnaps ein, bis man den Tod feststellte. 

In einem Backtrog wurde er unter den Klängen eines Trauermarsches der Blaskapelle und den Klagen der Faschingsnarren aus dem Saal getragen. Die Trauergemeinde umkreiste einige Male den Saal – und ließ dann den Trog fallen.

Hinter dem „Sarg“ tanzte der „Teufel“ ausgelassen alleine weiter und rieb sich die Hände

.So klang die Faschingszeit am frühen Aschermittwoch aus und man sagte: „De Teiwel hat de Fasching gholt“.

Banater Faschingsbräuche (15)

Strohbär 2007

Fasching wurde in Wetschehausen (Kreis Temesch) groß geschrieben. So hart die „Schwoweleit“ auch arbeiteten, so ausgelassen konnten sie auch feiern.

In der Faschingszeit erinnern sich die Menschen auch an die Eigenschaften und Verhaltensweisen der Tiere. Viele benahmen sich „tierisch“ und schlüpfen in die „Haut“ eines Tieres. Die Rekruten (18. Lebensjahr) bestimmten, wer von ihnen als „Strohbär“ angezogen wird. Es war eine Ehre, aber zugleich ein mühevoller Tag für denjenigen, der als Strohbär auserkoren wurde, denn es verlangte einiges an Kondition, Geduld und Vertrauen. Das Stroh, welches zu einem langen Zopf geflochten und mit dem man den Rekruten einwickelte, war alles andere als leicht .Die handgefertigten Gesichtsmasken wurden von Jahr zu Jahr immer fantasievoller. Sie hatten Schlitze als Augen und ein aufgemaltes gefährliches Gebiss. Der Strohbär wurde immer von ein bis zwei Jägern mit Gewehren (symbolisch) an der Kette geführt. Die Hände und Füße waren frei beweglich – dadurch war er sehr flink. Stachelig und unförmig kam er daher. Alles wurde angegriffen. Selbst die Dorfhunde verkrochen sich in ihren Hütten.Unausweichlich war der Besuch in der Schule. Alle Narren waren ja einmal Absolventen dieser ehrwürdigen Einrichtung und so konnten sie so herrlich den Unterricht auf den Kopf stellen. Der Strohbär knurrte die Schüler der Grundstufe an, weil diese sich am meisten fürchteten. Kam ihm ein schlimmes Kind zu nahe, ging es ohne Kratzer vom Stroh und schwarzem Gesicht von der Schuhcreme nicht ab.

In jedem Hause, wo Mädchen ab 14 Jahren wohnten, wurde beim Maskenumzug Halt gemacht und die Mütter wie die Töchter warteten schon mit Faschingskrapfen, Wurst, Eier und Wein. Der Mittelpunkt des Umzuges war ein Pferdewagen, auf dem die „eingesammelten Schätze“ verstaut wurden. Ein Pfandgegenstand ließ man immer mitgehen, den die Mädchen mit einem Kuss vom Strohbären abends wieder einlösen konnten. Punkt Mitternacht zum Aschermittwoch nahm der Fasching mit einem Marsch sein Ende. Der Strohbär zog seine Maske ab und das Geheimnis des Trägers wurde gelüftet.

Auf den nächsten Fasching freute sich jeder und man spekulierte, wer der nächste Strohbär sein wird.

Woher dieser Brauch kam ist geklärt. Bekannt sind die Tanzbären, die von Zigeunern auf den Jahrmärkten vorgestellt wurden.

Der Bär wurde mit dem Teufel gleichgestellt und ist seit dem Hochmittelalter das Sinnbild für Wollust und Unkeuschheit. Vielleicht brachten die einstigen Ansiedler diesen Brauch der gefährlichen aber noch kontrollierbaren Naturgewalt aus Böhmen mit.

Banater Faschingsbräuche (16)

Das Faschingsverbrennen 2008

Die Fastnacht, (d.h. der Fasching oder Karneval) beginnt im Banat um Neujahr und reicht bis zum Aschermittwoch, d.h. bis zum Beginn der österlichen Fastenzeit. Verbreitete Sprichwörter behaupten: an Fasching is der Teiwl los oder ti Fasching hat e Loch, tanze tun mir doch.Die Hauptkomponenten des schwäbischen Faschings im Banat sind die Maskierung, Hansl und Gretl und die unermüdliche Unterhaltung. 

Auch in Sackelhausen war der Spielrahmen des Brauches ein Umzug mit dem Rad, allerdings in der allgemein verbreiteten Form des Zentralmotivs Hansl und Gretl als Strohpuppenpaar.

Das Rad mit den Puppen auf einer Stange war an einem Plattformwagen angebracht, der von einem Vierspänner gezogen wurde, die Pferde waren auf besondere Weise geschmückt. Dieses Gefährt stand am Faschingsdienstag im Mittelpunkt des Letztfaschings Geschehens. Es fuhr durch alle Straßen des Dorfes. Die Faschingsnarren waren ausschließlich Jungen, die auf dem Wagen mitfuhren. Am Wagen war auch eine bändergeschmückte hohe Tanne – gelegentlich war es ein ausgedienter Weihnachtsbaum. Auch hier haben wir es mit einer Form des Lebensbaumes als Symbol für den Frühlingsgewinn zu tun. Den Höhepunkt erreichte das Fest am Abend; in der Dorfmitte wurde Hansl und Gretl mit Petroleum übergossen und angezündet und rund um das lodernde Puppenpaar knieten die Faschingsnarren klagend, betend, schreiend.

Um diese Stunde des Brauchablaufs bedeuteten die Puppen nichts weiter als Stroh, symbolisch eine Form für das Abgelebte, Tote; Stroh stand nun sinnbildlich für den Winter, dessen Zeit abgelaufen ist und der vernichtet werden muss, um Raum zu schaffen für eine neue Zeit im Jahresablauf – sinnbildlich auch hier dargestellt als bunter Lebensbaum auf dem Wagen.Das brennende Puppenpaar wurde schließlich in gestrecktem Galopp der Vierspänner und unter lautem Geschrei der Faschingsnarren auf dem Wagen durch die Gassen gezogen, bis nur noch das Eisengestell übrig blieb.

Banater Faschingsbräuche (17)

Guckinsloch schauen 2009

In früheren Zeiten haben sich die Sanktannaer Landsleute die Unannehmlichkeiten des Winters als eine Verkörperung böser Geister vorgestellt. Diese brachte den Menschen Kälte, Dunkelheit und vor allem leere Bäuche, denn als es noch keine Kühltruhen gab, wurden die Nahrungsvorräte zum Winterende immer knapper.

Damit das Frühjahr endlich erwacht, mussten die Wintergeister verjagt werden. Dafür verkleideten sich die Menschen und setzten sich eine Maske auf, um von den Geistern nicht erkannt zu werden. Während die Leute auf den Straßen johlten und einen Höllenlärm vollführten, hofften sie, dass der Winter verschwinden und der Frühling erscheinen würde. Deshalb wurden die Faschingsbräuche jedes Jahr wiederholt.

Die Menschen merkten freilich bald, dass sie trotz ihrer Bemühungen keinen Einfluss auf den Wechsel der Jahreszeit hatten. Da aber das Verkleiden, Lärmen und Feiern soviel Spaß bereitete, hielten die Dorfbewohner bis heute an diesem Brauchtum fest.

In Sanktanna versammelten sich die Teilnehmer am Nachmittag des Faschingsdienstags auf dem Marktplatz (Promenade). Ein Pferdewagen, gefolgt von einer Menschenmenge fuhr in der Ortsmitte. Der Wagen war mit einem Fruchttuch überdeckt, im Orte auch „Tackawaga“ genannt. Solche Planwagen fuhren mit der Wallfahrtsprozession nach Maria Radna. An der Rückseite des Wagens hatte das Tuch ein Loch zum Hineingucken, von den Faschingsnarren „Gucksiloch“ genannt.

Hier war eine Leiter angebracht, wo die Umzugsteilnehmer hinaufsteigen konnten, um in das Wageninnere zu blicken. Das Interesse der schaulustigen Menschen war immer groß, wenngleich es eigentlich nichts zu sehen gab. Auf dem Wagen, unter der Abdeckung wechselten sich immer wieder zwei, etwas angeheiterte, Männer ab und zeigten den Neugierigen ihren verlängerten Rücken, den nackten Hintern.

Den ausgelassenen Zuschauern gelang es meistens, selbst den Ortspfarrer zum „Gucksiloch schauen“ zu bewegen. Danach schüttelte dieser nur den Kopf und sagte: „Im Fasching ist das auch erlaubt“.

Banater Faschingsbräuche (18)

Kreuzritter 2010

Die Faschingszeit beginnt im Banat / Rumänien nach Neujahr und dauert bis Aschermittwoch. Ihre Dauer hängt davon ab, auf welchen Termin in diesem Jahr das Osterfest fällt. Es ist bemerkenswert, dass die Faschingsbräuche in den Banater Ortschaften der zentral gelegenen „Banater Heide“ ruhiger verlaufen sind als in der Banater „Hecke“ und im „Banater Bergland“. Besonders zu Letztfasching (Faschingssonntag, Rosenmontag und Faschingsdienstag) wurde ausgelassen gefeiert. Zudem hat man in den Banater Ortschaften zur Faschingszeit auch Maskenbälle, Trachtenbälle und Tanzunterhaltungen mit Blasmusikorchestern veranstaltet. Dabei herrschten allerorts Fröhlichkeit, Trubel und Ausgelassenheit, Auch die meisten Hochzeiten fanden in dieser Jahreszeit statt, denn im restlichen Landwirtschaftsjahr musste hart auf dem Feld gearbeitet werden, so dass es keine Zeit zum Feiern gab.

Blumenthal liegt in der östlichen „Banater Hecke“, einem Hügelland. Die von den Einwanderern im 18. Jahrhundert aus westdeutschen Landen mitgebrachten Faschingsbräuche haben sich hier im Laufe der Zeit eigenständig weiterentwickelt und neue Züge angenommen. So stellten die Rekruten (Burschen vor dem Wehrdienst) Kreuzrit­ter dar, die unter Musikbegleitung durchs Dorf zogen. Jeder Darsteller hatte ein weißes Hemd mit einem großen schwarzen Kreuz darauf, um sich als „Kreuzritter“ auszuweisen. In dieser Aufmachung marschierten die Burschen zur Blasmusik durch die Dorfstraßen.

Den Zug begleitete ein Wagen mit einem Doppelgespann geschmückter Pferde. Auf dem Wagen wurde eine Kanone mitgeführt, die man mit einer Blechbüchse verschloss. Damit konnte bis zu 20 Meter weit geschossen werden. Außerdem waren Maskierte im Zug dabei, zum Beispiel Schneewittchen und die sieben Zwerge, Scherenschleifer, Vogelhändler (die gefärbte Spatzen zum Verkauf anboten), Zigeuner, die aus den Karten die Zukunft voraussagten und andere. Die Musikanten zählten zur obligatorischen Begleitung des Zuges.

Die Blumenthaler Bauern waren auf der Gasse und boten Getränke und Esswaren an, Manche öffneten auch die Haustore und baten die Faschingsnarren einzutreten. Die „Faschingskrapfen“ durften bei solchem Anlass nicht fehlen. Während des Umzugs wurde mit der Kanone vom Wagen aus geschossen, um die bösen Geister zu vertreiben. Es ging hoch her bei allen Narren im Orte. „Der Winter muss vertrieben werden“, war die einhellige Meinung aller Umzugsteilnehmer. Viele trugen eigenwillige Masken, um sich dahinter zu verbergen.

Die alte Überlieferung des Kreuzritterumzugs wurde auch von den nachfolgenden Generationen gepflegt: Heute wird sie in Nürnberg von Franken und Banater Schwaben gemeinsam vorgeführt, damit dieser ungewöhnliche Brauch noch weiter erhalten bleibt.

Banater Faschingsbräuche (19)

Der Vogelhändler

Im Winter wurde in allen Banater Ortschaften der Fasching gefeiert. Das hatte eine lange Tradition.

Der Zweite Weltkrieg und anschließend die fünf Jahre Deportation der Deutschen nach Russland legten in der Banater Ortschaft Sanktanna oberhalb des Marosch Flusses eine fünfzehnjährige Pause im Faschingstreiben ein.

Mitte der fünfziger Jahre wurden die Bräuche im Jahresablauf wieder belebt, so auch der Faschingsbrauch. Man verkleidete sich, um lustig aufzufallen. Mit einfachen Mitteln gestaltete man z. B. den „Vogelhändler“ als Faschingsmotiv.

Ein waschechter Frisör (öffentlicher Barbier) hatte sich mit weißem Kittel und Perücke verkleidet um nicht erkannt zu werden, nahm ein hölzernes Rasiermesser und einen Riemen zum Messerwetzen in die Hand. Ein anderer lustiger Landsmann nahm seine Vogelzucht (Stieglitze, Spatzen, Tauben …) im Vogelkäfig auf den Rücken und sie stellten sich an der Hauptstraßenkreuzung einander gegenüber. Der Rasierer rief laut: „Wer will sich, wer lässt sich“. „Wer will sich, wer lässt sich ...“. - Zwischenrufe vom Vogelhändler: „Vögel … zu verkaufen“, „Vögel… zu verkaufen!“. Dieses Spielchen wurde an allen wichtigen Straßenkreuzungen, mit viel Gelächter, x-mal wiederholt. Mit Ziehharmonika, Gesang und Hufgeklapper ist man am Fasching mit aufgeputzten Pferdewagen oder Schlitten durch die Ortsstraßen gezogen.

Banater Faschingsbräuche (20)

„Das Hohe Gericht“

Im Weinbauerndorf Bakowa in der Banater Hecke wurde der Fasching sehr ausgiebig und aufwändig gefeiert.  Zu „Letztfasching“, am Dienstag fand der Umzug der „Faschingsnarren“ durch das Dorf statt. Hinter dem Wagen mit Hansl-und-Gretl fuhr Das Hohe Gericht: der Richter, der Ankläger, der Verteidiger und der Büttel, genannt auch Polizist. Die Maskierten, Spielgruppen und Reiter auf geschmückten Pferden folgten im Faschingszug auf der Hauptstraße. An mehreren Kreuzungen hielt der Zug; die Maskierten und Reiter nahmen Aufstellung in einem Halbkreis oder Kreis und folgten dem Geschehen des Fastnachtspiels mit Zurufen, Buhrufen, Weinen und Wehklagen und schließlich mit Jubel.
Die Anklage lautete: Hansl und Gretl haben sich unsittlich verhalten, der Jugend ein schlechtes Beispiel gegeben und ihren Familien und dem ganzen Dorf Schande gebracht. Wortreich führte der Verteidiger ihre Jugend und die Liebe als mildernde Umstände ins Treffen. Der Ankläger aber blieb hart und bauschte die Vergehen immer stärker auf. Das Volk war entrüstet; böse Zwischenrufe unterbrachen den Prozess, und der Richter musste immer wieder die Ruhe herstellen. Dann erfolgte der Richterspruch: Hansl und Gretl wurden für das schwere Vergehen der „wiederholten gegenseitigen Verführung“ zu je zehn Stockhieben, die sofort an Ort und Stelle zu verabreichen sind, verurteilt, überdies mussten sie danach ins Gefängnis! Unter großem Tumult vollstreckte der Büttel mit einem Stock oder einer „Karbatsche“ (einer kurzen, geflochtenen Lederpeitsche) das Urteil, bis sich das immer lauter werdende Wehklagen des Publikums zum hellen Aufbegehren gegen die harte Strafe wandelte.
Angesichts des kollektiven Protestes und des herzzerreißenden Flehens um Gnade sah sich der Richter genötigt sein Urteil zu revidieren: Gut, Hansl und Gretl müssen nicht ins Gefängnis, aber  Strafe muss sein: Sie müssen einander heiraten! Die Menge brach in hellen Jubel aus und tanzte um den Hansl-und-Gretl-Wagen. Dann zog der Faschingszug weiter.

Banater Faschingsbräuche (21)

" Bänderholen"

Als „Fasching“ bezeichnete man in Bruckenau (eine Banater Hecken-Gemeinde an der Bergsau) die letzten drei Tage vor Beginn der österlichen Fastenzeit. Faschings­sonntag, der folgende Montag und Dienstag zählten zu den ausgelassensten und verrückte­sten Tage des Jahres. Es gab dazu ein reiches Brauchtum, dass bei lusti­gen Unter­haltun­gen zur Geltung kam;  Jung und Alt hatten ihre Freude an dem über­schwänglichen Treiben und beteiligten sich daran.

Das Hänsel-und-Gretel-Spiel fand am Nachmittag des Faschingdienstags statt. Vorbereitet und durchgeführt wurde der Schwank von jungen verheirateten Ehepaa­ren. Sie sammelten beim Umzug Geld für Getränke und für die Musik, worauf sie mit Musik­be­gleitung durchs Dorf zogen. Lärmende Kinderscharen folgten ihnen.

Das Bänderholen fand am Vormittag des Faschingsdienstags statt. Getrennt voneinander zogen junge Burschen, von der Blaskapelle, von Schuljungen und Zieh­har­­mo­­nika­musik begleitet, durchs Dorf und suchten dabei ihre Faschingsmädel auf. Bei jedem Mädchen  spielte die Blaskapelle zwei bis drei Tänze. Die Hausherren bewirteten die Jungen und die Musikanten. Die Faschingsmädchen hefteten inzwi­schen ihrem Part­ner  - von Fall zu Fall auch anderen Jungen aus der Nachbarschaft, Ver­wandten oder Bekann­ten oder einfach demjenigen, den man sympathisch fand - ein oder mehrere bunte, lange Seidenbänder an den linken Rockaufschlag. Am glei­chen Tag fand am Nachmittag vor Tanzbeginn ein Aufmarsch der Burschen bzw. der Schul­­jun­gen im Wirtshaus oder in einer Scheune statt. Wer von ihnen die meisten schmucken Seidenbänder vorzeigen konnte, wurde bewundert und auch benei­det.

Männer, denen der Schalk am Nacken saß, parodierten am Abend des Fa­schings­­dienstags im Wirtshaus Pfarrer, Kantor und Ministranten. Vor Feierabend wur­de in Anwesenheit der fröhlichen Menge der Fasching symbolisch begraben. Den abgelaufenen Fasching spielte ein Mann, den man in einem Schubkarren in die Mitte des Tanzsaales schob, um mit ihm eine humoristische Beerdigungszeremonie zu veranstalten. Diese stellte das Ende des tollen Faschingstreibens dar.

Banater Faschingsbräuche (22)

" Jubiläumsorden - In der Tradition verwurzelt"

Schon über zwanzig Faschingsorden hat die Karnevalsgesellschaft NORIS BANATORIS mit dem Motiv eines Banater Faschingsbrauches ausstattet. Diese Verbindung zur Banater Fastnacht genießt im Haus der Heimat Nürnberg besondere Anerkennung, weil sie zur Pflege und zugleich Weiterentwicklung Schwäbischen Brauchtums aus dem Banat gehört. 

Als Verein, der sportlich- künstlerische Jugendarbeit mit dem Dokumentieren alter Bräuche verbindet, leistet NORIS BANATORIS wertvolle Kulturarbeit, die nicht nur eine Verständnisbrücke zwischen den Menschen im Banat und in Deutschland darstellt, sondern auch das Kulturgut der Banater Schwaben in die gesamtdeutsche Kultur einbindet.
Das Haus der Heimat pflegt die Tradition und Kultur des deutschen Volkes, der Deutschen die ihre Heimat verloren haben, und deren Nachkommen. Dazu gehören auch die Bräuche der Banater Schwaben, die Jahrhunderte lang deren Gemeinschaftsgefühl mit gefestigt haben, die mit zum Fundament gehören, auf das in Deutschland die Kulturarbeit der Banater Schwaben aufgebaut wurde.
Fußend auf banatschwäbischer Tradition, dargestellt durch den Faschingsbrauch „Hänsel und Gretel“, entwickelte sich in Nürnberg die Karnevalsgesellschaft NORIS BANATORIS zu einem modernen Verein, der Banater Schwaben und Franken miteinander vereint. Die Nürnberger Kaiserburg im Hintergrund steht für die Frankenmetropole Noris. Es spiegelt Till Eulenspiegel die närrische jubiläumsverdächtige Zweifach-Brücke, einerseits vom schwäbischen Banat zur Noris, andererseits das Tanzmariechen auf dem Höhenflug geerdet durch den Kontakt zum Haus der Heimat Nürnberg mit dessen Banater Schwaben, in deren Tradition es verwurzelt ist. Die stolze Haltung des Tanzmariechens zeigt die Ambitionen des Vereins, hoch hinauf zu streben.
Die NORIS BANATORIS ist Mitglied im Haus der Heimat Nürnberg, unterstützt dessen Kulturarbeit und bereichert sie durch das närrische Brauchtumselement, das einen vorläufigen Höhepunkt in der Feier seines 22. Jubeljahres findet. Die Verknüpfung von Tradition und Moderne ist ein Wahrzeichen der NORIS BANATORIS und vorbildlich für die Kulturarbeit im
Haus der Heimat Nürnberg.

Banater Faschingsbräuche (23)

Faschingsumzug mit dem Johann

In Dognatschka bei Bokschan im Banater Bergland fand noch in den 1990er Jahren der Umzug der Burschen und der jungen verheirateten Männer mit dem "Johann" als Höhepunkt und Ausklang der Faschingszeit vor dem Beginn der Fastenzeit statt. Von Sonntag Nachmitttag bis Letztfasching-Dienstag wurde die lebensgroße Puppe von den oben als Mann, unten als Frau gekleideten Faschingsnarren durch das Dorf getragen, und vor jedem Haus erklang das Johann-Lied. Die Mädchen und jungen Frauen verfolgten das ausgelassene Treiben an den Fenstern ihrer Häuser. Genau genommen erwarteten sie den Zug mit dem Johann, denn jede wurde vom überlangen linken Arm des Johann berührt, und schließlich musste sie - begleitet vom Johlen der Männer unter dem Fenster - den Johann umarmen. Der Mann des Hauses reichte den Männern reichlich "Geschippelten", genannt auch "Krampampel" - einen stark gesüßten heißen Schnaps.

In jedem Jahr war der Johann anders gekleidet, denn an jedem Fasching war ihm ein anderer Beruf zugedacht: Bergmann, Bauer, Waldarbeiter, Tischler, Maurer oder Elektriker. Angefertigt wurde das zentrale Brauchrequisit jeweils von einigen Jungen und Mädchen; die Gestalt wurde aus Kleidern, die mit Heu ausgestopft wurden, geformt.

An allen Abenden wurde ausgiebig Karneval gefeiert, mancher trug an jedem der drei Abende ein anderes Kostüm. Krönender Abschluss war auch hier immer der Abend vor Aschermittwoch. Vor der Tanzunterhaltung allerdings fand in einem Nebenraum des Kulturhauses die „Totenwache“ statt: Die frohe Zeit des Johann war um, aufgebahrt lag er auf einem Tisch, Kerzen wurden entzündet, und der „Narrenpfarrer“ übte schon mal für seinen großen Auftritt, der um Mitternacht im Saal stattfinden sollte.

Schlag zwölf wurde die ausgelassene Tanzunterhaltung beim Ertönen der „Lumpenglocke“ abgebrochen, und es begann die Begräbniszeremonie des Narrenpfarrers, ge-würzt mit deftigen Sprüchen über den Lebenswandel des stattlichen Johann, der „Liebling aller Frauen“ im Ort. Unter lautem Wehklagen und auf die Klänge eines Trauermar-sches wurde dieser schließlich aus dem Saal getragen und unten am Bach unter noch lauterem Klagen verbrannt.

Dieser im Banat nur in Dognatschka übliche deutsche Fa-schingsbrauch des Winterverbrennens wurde in diesem Bergdorf auch von der mehrheitlich rumänischen Bewoh-nerschaft übernommen und in abgewandelter Form, gleichfalls als Ausklang der winterlichen Zeit der Unterhaltung, am Vorabend des Beginns der österlichen Fastenzeit abgehalten. 

 

 

 

Banater Faschingsbräuche (24)

Narrenhochzeit

In mehreren Ortschaften des Banats war das Thema Hochzeit auch in Faschingsumzügen vertreten. In den närrischen Tagen wurden - wie heute - manche Tabus gebrochen und ernste Lebenssituationen bis hin zu religiösen Zeremonien (Taufe, Trauung, Beerdigung, Segen spenden) in humorvoller, deftiger bisweilen auch derben Weise dargestellt, karikiert oder gar persifliert. In einigen Dörfern wurden nur Einzelmotive aus dem traditionellen Brauchablauf dargeboten, in anderen war das Brautpaar lediglich als ein Maskenpaar unter vielen im Festzug. Umfassende und alle Jahre wiederkehrende Inszenierungen - mit den zur Faschingszeit üblichen Verfremdungen und Übertreibungen - gab es nur in wenigen Ortschaften.

In dem Deutschböhmendorf Altsadowa im Temeschtal hat sich bis in die 1980er Jahre ein facettenreiches und brauchgeschichtlich hochinteressantes Faschingsbrauchtum erhalten, das sich aus sehr unterschiedlichen Quellen speiste. Höhepunkt des dreitägigen Feierns war an jedem Letztfaschingsdienstag - dem "narrische Irda" - die "Narrenhochzeit". Sie war fester Bestandteil des Umzugs der Verkleideten - der "Maschkara" - am Nachmittag durch das Dorf und des anschließenden fröhlichen Treibens im Saal.

Den Zug führte das Brautpaar an. Der Bräutigam wurde von einem kleinwüchsigen, zierlichen Mädchen dargestellt: auf dem Kopf ein möglichst großer, herrischer Hut oder Melone, im Gesicht ein mit Ruß aufgemalter oder ein aufgeklebter Schnurrbart, Rock und Hose waren meist dunkel, in der Hand trug er einen Gehstock. Die Braut wurde von einem hochgewachsenen, mit Vorliebe von einem grobschlächtigen Jungen, gemimt: weiß gekleidet, mit Brautkranz und Bändern auf dem Kopf; übertrieben groß war der Busen gestaltet; das Brautgewand bestand früher meist aus einer weißen deutschböhmischen Trachtenbluse, über breitem Rock; in den Händen trug die Narrenbraut den Ehrenstrauß aus Kunstblumen und mit Bändern aus Crèpe-Papier. Seit den 1960er Jahren war die Braut gelegentlich schon mit einem zeitgemäßen, städtische Vorbilder nachahmenden Brautkleid und mit Schleier gekleidet.

Wie bei der traditionellen Hochzeit im Ort gab es auch bei der "Narrenhochzeit" zu Fasching das Hochzeitsgefolge mit Brautführer und "Brautmaschl" (Begleiterinnen des Bräutigams), mit Kinderpaaren und auch bejahrten Mitwirkenden im Hochzeitszug. Allerdings waren die Jungen und Männer als Frauen verkleidet, Mädchen und Frauen aber als Männer. Diese Art des Verkleidens ist als eine inhaltlich entleerte Reliktform des ursprünglichen Dämonentäuschens in Zeiten des Übergangs im Jahr (Winter-Frühling) oder im Menschenleben (von einem Abschnitt in den anderen: Geburt, Eheschließung, Tod) zu deuten, damit diese keinen negativen Einfluss ausüben können.

Bei der Zeremonie im Saal wurde das auf Stühlen sitzende Paar, umgeben vom großen Kreis der Hochzeitsgesellschaft "getraut". Die heiteren Sprüche, gespickt mit anzüglicher Bemerkungen über das ungewöhnliche Paar - große Frau, kleiner Mann -, aber auch mit unmissverständlichen Anspielungen auf das künftige Eheleben waren Kernstück des turbulenten Hochzeitsgeschehens, das immer wieder mit Musik- und Gesangeinlagen angefeuert und vom Publikum als große Gaudi aufgenommen wurde. Anschließend fand der "Brauttanz" statt, bei dem die mitwirkenden Hochzeitsgäste mit Braut und Bräutigam ausgelassen tanzen sollten.

Das Motiv "große Frau-kleiner Mann" ist auch im Banater sprachlichen Volksgut als heiteres Lied an, das ähnlich wie die Narrenhochzeit zur allgemeinen Belustigung dargeboten wurde.

Banater Faschingsbräuche (25)

Fasching auf der Totenbahre

In der Mehrzahl der Banater Ortschaften mit deutschen Bewohnern erlebte die Faschingszeit am Dienstag um Mitternacht ihren letzten Höhepunkt und ihr Ende zugleich. Schlag zwölf setzte mit dem Anbruch des Aschermittwochs die Osterfastenzeit ein, in der öffentliche Unterhaltungen – insbesondere im ländlichen Raum – untersagt waren.

 

In einzelnen Dörfern gipfelte das Letztfaschingsgeschehen kurz vor Mitternacht in einer szenischen Brauchhandlung des Ablebens oder des Vernichtens des Faschings, der als lebende Gestalt oder als lebensgroße Puppe dargestellt wird. Es handelt sich um überlieferte Formen des so genannten „Todaustragens“, die als fester Bestandteil von Winter-Frühjahrsbräuchen das Ende der „närrischen Zeit“ markieren, in der sich die Jugend seit dem Neujahrstag weitgehender Freiheiten erfreuen konnte, die es sonst im Jahreslauf nicht gab. Grund genug also das tiefe Bedauern über das Ausklingen der fröhlichen Zeit mit einem „Trauerakt“ öffentlich zu begehen: In Sackelhausen wurden das Puppenpaar Hansl-und Gretl auf dem Rad verbrannt, in Dognatschka war es der Johann, in Sanktanna wurde der „Trogscheißer“ als Faschingsgestalt in einem Holztrog durch die Gassen gezogen. In Neukaransebesch aber wurde der Fasching in einem Trog „aufgebahrt“ und vom „Trauerzug“ der Faschingsgesellschaft untrer Weinen und Klagen aus dem Wirtshaussaal getragen.

 

Eine ähnliche brauchgebundene Form des Faschingsbegrabens war bis Ende der 1930er Jahre auch Bestandteil des mehrtägigen ausgelassenen Geschehens in Deutschsanktpeter. In dieser Gemeinde in der Maroschniederung wurde der auf einem Katafalk aufgebahrte Fasching in der Gestalt eines jungen Mannes vom Trauerzug der maskierten „Faschingsnarren“ in den Saal gebracht. Die Beschreibung dieser im Banat einzigartigen Inszenierung des Todaustragens verdanken wir der mündlichen Mitteilung von Zacharias Böhnisch, eines im Ort hoch angesehenen Gewährsmannes, der sich um die Dokumentation der Lokalgeschichte wie auch des überlieferten sprachlichen Volksgutes verdient gemacht hat. Seinen Angaben zufolge trugen vier „Totenträger“ ein mit Leintüchern überhangenes Lattengestell auf den Schultern; unter diesem schritt ein junger Mann einher, dessen Kopf aus einem Schlitz im Leinen herausragte; sein Gesicht war mit Mehl gepudert, den Kopf musste er, so gut es nur ging, nach hinten drücken, um den Eindruck eines Aufgebahrten zu vermitteln. Der Trauerzug, der auf die Klänge eines Trauermarsches in gemessenem Schritt der Bahre folgte, wurde in der Regel vom Wirt angeführt, in dessen Saal gefeiert wurde. Der anfänglich tiefernst gemimten Trauer der Faschingsnarren folgte aber bald noch eine kurze Zeit der Ausgelassenheit, in der man sich auch so manchen Schabernack mit der Faschingsgestalt und den „Totenträgern“ erlaubte. Dann verließ der Trauerzug den Saal, und der Aschermittwoch begann.

 

Diese bildliche Auslegung vom Ende der fröhlichsten Zeit im Jahr konnte im Banat noch vor wenigen Jahren dokumentiert werden, obwohl einzelne Faschingsbräuche nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr veranstaltet wurden. Die ursprüngliche Sinngebung war den Agierenden nur selten bekannt: Die zu Grabe getragene Faschingsgestalt, oder stellvertretend ein Objekt, standen symbolisch für das Ende der dunklen, kalten Jahreszeit – für das „Böse“ schlechthin. Dieses galt es zu vernichten, zu verbrennen oder zu Grabe zu tragen, um Raum zu schaffen für eine neue, lichtvolle Zeit des Wachsens, des Gedeihens und der Fruchtbarkeit. Die Symbolik, die Winter-Frühjahrsbräuchen zugrunde liegt, wurde den Trägern dieses überlieferten Volksgutes erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch Veröffentlichungen zur Banater Ethnologie bewusst gemacht.

Walther Konschitzky